Vom Verein zum Kollektiv?
Liebe Mitglieder, liebe Kooperationspartner*innen, liebe Nahestehende und Netzwerkpartner*innen
Radarstation startet einen Veränderungsprozess. Daraus könnte auch ein «Relaunch» werden — aber es geht um mehr als ein neues Erscheinungsbild oder ein organisatorisches Update. Es geht um die Frage, wie Radarstation künftig getragen, geteilt und weiterentwickelt werden kann.
In den letzten Jahren ist viel entstanden: Projekte, Begegnungen, Netzwerke, Experimentierräume, digitale und analoge Formate und soziokulturelle Praxis. Radarstation war und ist ein Ort für Ideen, für kritisches Denken, für kollektives Ausprobieren und für Menschen, die an den Schnittstellen von Gesellschaft, Kultur, Technologie und Alltag arbeiten.
Gleichzeitig zeigt sich deutlich: Die bisherige Vereins- und Anstellungsstruktur stösst an Grenzen. Die Verantwortung, der Betrieb und die Weiterentwicklung von Radarstation können langfristig nicht von wenigen Personen getragen werden. Auch gute, sichere und faire Arbeitsbedingungen lassen sich in der bisherigen Form nicht ausreichend gewährleisten.
Teil dieses Veränderungsprozesses ist deshalb, dass die bisherigen Festanstellungen nicht in der bestehenden Form weitergeführt werden. Sie werden im Rahmen der Neuausrichtung aufgelöst. Gleichzeitig beginnen wir die Suche nach einer tragfähigeren Struktur: mit klaren Rollen, geteilten Verantwortlichkeiten, realistischen Ressourcen und neuen Formen der Zusammenarbeit. Diese Suche hat einen offenen Ausgang.
Wir senden euch heute ein klares Signal: Radarstation braucht ein System-Update. Gemeinsam.
Wir starten ein «Crowd-Building».
Unsere Vision: Wir wollen Radarstation vom klassischen Verein hin zu einem Kollektiv weiterentwickeln. Ein Kollektiv, das von einer grösseren Gruppe getragen, belebt und weitergedacht wird. Damit dies realistisch und nachhaltig möglich ist, braucht es aus unserer Sicht mindestens 11 Menschen, die sich verbindlich oder teilweise verbindlich einbringen: mit Zeit, Wissen, Ideen, Netzwerken, Kritik, Freiwilligenarbeit, Organisation, Kommunikation, Projekten oder anderen Ressourcen.
Angelehnt an ein Crowdfunding starten wir nun eine Art Crowd-Building. In diesem Prozess suchen wir mindestens 11 Menschen, die Radarstation weitertragen und weiterentwickeln, Projekte und Vorhaben realisieren möchten. Wenn sich bis Ende des Jahres 2026 mindestens 11 Menschen finden, steigen wir in die Transformation der Radarstation ein. Ansonsten beginnen wir, nach Abschluss der letzten Projekte, mit der Auflösung des Vereins.
Wir verstehen diesen Prozess als gemeinsamen Relaunch. Wir machen ein Backup von dem, was uns wichtig ist. Wir debuggen Strukturen, die nicht mehr gut funktionieren. Wir öffnen neue Schnittstellen für Beteiligung. Wir aktualisieren Rollen, Kommunikationswege und Entscheidungsprozesse. Und wir fragen gemeinsam: Welche soziale Software braucht Radarstation für die nächsten Jahre?
Für uns ist Soziokultur kein fertiges Programm. Sie ist eher ein offener Quellcode: Sie entsteht durch Beziehungen, durch Konflikte, durch geteiltes Wissen, durch Experimente, durch gemeinsames Handeln und durch Menschen, die bereit sind, ihre Perspektiven einzubringen.
Auch Digitalität verstehen wir nicht nur als Technikfrage. Es geht nicht nur um Tools, Plattformen oder Newsletter. Es geht darum, wie Wissen geteilt wird, wie Menschen Zugang finden, wie Beteiligung möglich wird und wie eine Infrastruktur entsteht, die gemeinsames Handeln unterstützt.
Wo stehen wir aktuell?
Aktuell befinden wir uns in einer Übergangsphase: zwischen der bisherigen Vereinsstruktur und dem Aufbau einer neuen, kollektiv getragenen Form.
In den nächsten Schritten geht es darum, Rollen neu zu denken, Ressourcen realistisch einzuschätzen und Beteiligungsmöglichkeiten zu öffnen.
Dazu gehören unter anderem:
- die Kommunikation mit Mitgliedern, Kooperationspartner*innen und Netzwerk
- die Klärung von Rollen, Verantwortlichkeiten und Mandaten
- die Weiterentwicklung von Website, Newsletter und öffentlichem Auftritt
- der Aufbau einer Willkommensstruktur für neue Mitstreiter*innen
- die Planung von Austauschformaten, Arbeitsgruppen oder einem offenen Netzwerktreffen
- die Frage, wie Radarstation künftig als Kollektiv funktionieren kann
Konkrete Termine, Einladungen und nächste Schritte kommunizieren wir jeweils separat.
Was wir von euch brauchen
Dieser Relaunch kann nicht stellvertretend für alle gemacht werden. Wenn Radarstation als lebendige soziokulturelle Infrastruktur weiterbestehen und wachsen soll, braucht es Menschen, die nicht nur wohlwollend zuschauen, sondern mitdenken, mittragen und mitgestalten.
Wir brauchen eure Fragen, eure Kritik, eure Ideen und eure Bereitschaft, Verantwortung zu teilen.
Konkret interessiert uns:
- Was bedeutet RADARSTATION für euch?
- Was soll unbedingt erhalten bleiben?
- Wo seht ihr Potenzial für Veränderung?
- Welche Rolle könntet oder möchtet ihr künftig einnehmen?
- Welche Kompetenzen, Netzwerke, Räume, Ressourcen oder Erfahrungen könnt ihr einbringen?
- Was braucht es, damit ihr euch beteiligen könnt?
Es braucht keine fertige Projektidee und kein perfektes Profil. Es braucht Lust auf gemeinsames Ausprobieren und die Bereitschaft, Radarstation als offene, solidarische und tragfähige Struktur weiterzubauen.
Einladung
Diese Nachricht ist ein Update — und zugleich ein Aufruf.
Radarstation befindet sich in einem ehrlichen Veränderungsprozess. Wir wissen noch nicht auf alles eine Antwort. Aber wir wissen, dass die nächste Version von Radarstation nur dann Sinn macht, wenn sie gemeinsam entsteht.
Radarstation wird nicht einfach relauncht.
Radarstation wird gemeinsam weitergeschrieben.
Wir freuen uns auf eure Rückmeldungen, eure Ideen und eure Beteiligung.
Kommt mit uns ins Gespräch, schreibt uns:
Mit herzlichen Grüssen
Radarstation