Professionelle Haltung entwickeln zur Digitalität

Eine professionelle Haltung zu Digitalität ist – auch analog zum sonstigen Berufsalltag – zentral für Fachpersonen, um handlungsfähig zu sein in der Digitalität. Die Haltung gibt Orientierung und macht es möglich, verschiedene Perspektiven einzunehmen (vgl. Witzel 2019). In unserem Beitrag in SozialAktuell haben wir auch den Weg dorthin skizziert: individuelle Reflexion der eigenen Praxis, auch im Zusammenhang von Weiterbildungen und Tagungen, Austausch im Team, allenfalls Formulierung eines gemeinsamen Konzepts oder von Leitlinien.

Wie können diese einzelnen Schritte konkret aussehen? Hier Beispiele aus unserer Praxis und auch Materialempfehlungen:

Reflexion

Menschen sind Lebewesen mit je unterschiedlichen Bedürfnissen (etwa Sicherheit, Bewegung etc.) und so nähern sie sich auch sehr unterschiedlich der Digitalität (etwa mit Technikeuphorie oder -skepsis). Diese individuelle Herangehensweise kann bewusst gemacht werden, etwa im Rahmen einer Weiterbildung. In unserem Fachkurs >rdy. geschieht das mit Hilfe der Methode «Medienmensch»: Die Fachpersonen reflektieren die eigene Mediennutzung und die individuellen Gefühle in Bezug auf Medien und Medienphänomene mit der Metapher der Körperteile: Was bewegt mein Herz, was bereitet mir Bauchschmerzen, was regt mich zum Denken an? Diese Reflexion kann auch individuell erfolgen. Wichtig ist jedoch, mit anderen in Austausch zu treten und die unterschiedlichen Perspektiven (noch auf einer individuellen Ebene) offen und auch mit ihrem emotionalen Anteil jeweils wertschätzend wahrzunehmen.

Ein wertvolles psychologisches Modell, um sich unterschiedlichen individuellen Haltungen wertschätzend nähern zu können, ist das Modell der Persönlichkeits-System-Interaktionen (PSI-Modell). In diesem Video aus der Jugendhilfe wird dies sehr anschaulich dargestellt.

Austausch im Team

Besonders wenn sich ein Team auf den Weg macht, ist es sinnvoll, in einem zweiten Schritt die Unterschiede und Gemeinsamkeiten herauszuarbeiten. Dies kann mit einer Positionierungsübung bzw. einem Skalenspiel geschehen, um die einzelnen Positionen in Bezug zu setzen. Sowohl die Übereinstimmungen wie auch die unterschiedlichen Standpunkte können gewürdigt und sollten festgehalten werden. Sie sind der Ausgangspunkt für die Weiterarbeit als Team.

In einem nächsten Schritt können nämlich Positionen zu spezifischen Themen gemeinsam diskutiert werden (etwa «Wo sind die Grenzen unserer Erreichbarkeit?», «Welche Games dürfen bei uns gespielt werden, welche erlauben wir nicht?»). Hieraus können Schritt für Schritt Leitsätze stehen, die dann zu einer gemeinsamen Leitlinie zusammengefasst werden.

Haltung und Konzepte

Diese Haltungsdiskussionen, gemeinsamen Positionierungen und Leitsätze sind ein wichtiger Ausgangspunkt, um später allenfalls ein Konzept zu erstellen bzw. das bestehende Konzept unter dem Blickpunkt der Digitalität weiterzuentwickeln.

Hierbei ist es jedoch gut, im Blick zu behalten, das ein solches Konzept nicht nur inhaltliche Positionierungen beinhaltet. Wichtig ist es, in der Einrichtung insgesamt eine positive Kultur zu schaffen, die Mitarbeitende nicht unter (Innovations-)Druck setzt, nicht überlastet und das Gefühl schafft, aufgehoben zu sein. Damit rücken auch (technische, zeitliche) Ressourcen, Know-How und Unterstützung in den Blick. Auch dies sollte Teil des eigenen Konzeptes werden.

Denn – das ist eine wichtige Erkenntnis aus dem PSI-Modell – individuelle Haltungsänderungen sind möglich. Hierzu braucht es jedoch Sicherheit und gute Beziehungen – in einem gut aufgestellten Team und einem unterstützenden institutionellen Rahmen.

Literatur und Materialien

Fachstelle für Jugendmedienkultur NRW (Hg.) (2021): Methodensammlung zur medienpädagogischen Haltungsentwicklung. Online verfügbar.

Stadt Wien – Bildung und Jugend (Hg.) (2021): Teamtool zur Reflexion Digitaler Kinder- und Jugendarbeit. Online verfügbar.

Witzel, M. (2019). Aneignung unter Bedingungen von Digitalisierung. sozialmagazin, (3), 6.

>rdy. Grundqualifikation Kinder- und Jugendarbeit in der Digitalität

Selfies, Games, Challenges, Dances – Medien sind selbstverständlicher und wichtiger Bestandteil des Aufwachsens von Kindern und Jugendlichen. Und auch die OKJA arbeitet immer selbstverständlicher mit SocialMedia, Smartphones und über Messenger. Dennoch (oder gerade deswegen) ist der Wunsch nach grundlegendem Wissen gross.

>rdy. bietet genau das, denn diese Weiterbildung macht Fachpersonen der Offenen, verbandlichen und kirchlichen Kinder- und Jugendarbeit ready für den Berufsalltag in der Digitalität: Die digitale Lebenswelt der Kinder- und Jugendlichen und ihre Bedeutung für das Aufwachsen, praktische Medienarbeit mit Videos, Audio, Fotos sowie lebensweltliche Tools von Kindern und Jugendlichen werden in der Weiterbildung bearbeitet ebenso wie die rechtlichen Grundlagen..

>rdy. ist eine Weiterbildung in Form eines Fachkurs des Vereins Radarstation und der Hochschule Luzern Soziale Arbeit. Die erste Durchführung wird in Kooperation mit der okaj zürich in Zürich angeboten und steht Fachpersonen aus anderen Kantonen offen. Der Fachkurs >rdy. soll danach in weiteren Kantonen und Regionen angeboten werden. Der DOJ unterstützt als Partnerorganisation die Bekanntmachung und Verbreitung dieses Weiterbildungsangebots.

Zur Ausschreibung&Anmeldung auf der Website der okaj zürich

Weiterbildungsflyer zum Download

Zielsetzung und Charakter

Die Weiterbildung vermittelt den Teilnehmer:innen grundlegendes Wissen zur digitalen Lebenswelt ihrer Adressat:innen, zur konkreten Ausgestaltung von Kinder- und Jugendarbeit in der Digitalität sowie zum Medienhandeln.

Sie ermöglicht es eine medienpädagogische Professionalität zu entwickeln.

Sie bietet eine fachliche Grundlage für die professionelle Arbeit mit Digitalität in der offenen Kinder- und Jugendarbeit

Der Fachkurs ist handlungsorientiert und zeichnet sich durch Nähe zur Praxis aus. Er wird mit einem Mix gestaltet aus Präsenz-/Onlineveranstaltungen und Selbststudium. Das selbstständige Lernen und eine Umsetzung eines Praxisvorhaben werden individuell begleitet.

Inhalte

  • Handlungsansätze und Konzepte von OKJA in der Digitalität:
    mediatisierte Kommunikation, mediatisierte Treffangebote, mediatisierte mobile Jugendarbeit, Konzeptentwicklung, digitale Kinder- und Jugendbeteiligung
    , ...
  • Handlungswissen: SocialMedia, Medienproduktion, Tools für die Arbeit, ...
  • Medienpädagogische Professionalität:
    Haltung, Medienhandeln und mediatisierte Sozialisation Jugendlicher, eigene Medienkompetenz
  • Strukturwissen: Informationsquellen, Datenschutz/rechtliche/ethische Grundlagen

Partner:innen

Beratung und Unterstützung

Barcamp Soziokultur und digitaler Wandel #SKAmp

Im Zusammenhang mit dem digitalen Wandel stellen sich Fachpersonen und Organisationen in der Soziokultur zahlreiche Fragen – zur Weiterentwicklung von Angeboten, zur Kommunikation, zur Positionierung der Profession und vieles Andere. Gleichzeitig gibt es bereits zahlreiche Erfahrungen im Feld. Mit dem offenen Format des Barcamps besteht eine ideale Möglichkeit, beides zusammenzubringen und damit Austausch, Lernen, Entwicklung und Weiterentwicklung zu ermöglichen.

Auf Initiative von Radarstation hat bisher ein Barcamp stattgefunden, das nächste ist bereits in Planung:

  • Am 5.9.22 haben sich zum ersten Barcamp #SKAmp22 in Zürich mehr als 40 Fachpersonen getroffen und den Tag gestaltet – aus allen Handlungsfeldern, vielen Regionen und Institutionen. Sie haben sich in 14 Sessions über selbst gewählte Themen ausgetauscht, Fragen bearbeitet, Erfahrungen und Informationen gesammelt. Die Veranstaltung wurde umfangreich dokumentiert und die geschaffenen Informationen auf der Veranstaltungswebsite auch für nicht Anwesende verfügbar gemacht.
  • Am 21.11.24 wird das nächste Barcamp #SKAmp24 im Karl der Grosse in Zürich stattfinden. Mehr Informationen in Kürze hier.

​Was ist ein Barcamp?

Bei einem Barcamp, auch «Unkonferenz» genannt, kommen Menschen zu einem gemeinsamen Thema zusammen, wie auf einer Konferenz. Die Teilnehmer*innen folgen aber nicht einem festgelegten Konferenzprogramm sondern stellen zu Beginn der Veranstaltung, geführt durch ein Grid/Moderator*in und auf Basis der mitgebrachten Themen, Fragen und Angebote, das Programm selbst zusammen. In dieser sogenannten Sessionplanung werden Vorträge angekündigt, Diskussionen vereinbart und Workshops angeboten.

Wichtig bei diesem Konzept ist, dass dabei alle aktiv auf Augenhöhe eingebunden werden und somit ein intensiver Wissensaustausch stattfindet. Weiter werden dadurch neue Ideen generiert, gemeinsame Projekte angestossen und Kontakte geknüpft. Barcamps dienen dem inhaltlichen Austausch und der Diskussion es können aber auch am Ende konkrete Ergebnisse vorgewiesen werden.

Veranstalter*innen und Partner*innen

Das Barcamp Soziokultur und digitaler Wandel ist eine Veranstaltung des Vereins Radarstation in Zusammenarbeit mit

  • DOJ – Dachverband offene Kinder- und Jugendarbeit Schweiz
  • DOJ Fachgruppe Digitale Medien & Jugendinformation
  • Soziokultur Schweiz, Stiftung für Soziokulturelle Entwicklung und Partizipation
  • HSLU Hochschule Luzern, Institut für Soziokulturelle Entwicklung
  • Netzwerke GWA.

Wir freuen uns über die Kooperation mit Karl der Grosse – das Debattierhaus in der digitalen Welt.

Danke an sozialinfo.ch sowie an AvenirSocial für die Unterstützung!

Vielen Dank auch an den Communitypartner Netzwerk Lebendige Quartiere.